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Mehr Beratungsangebote der Diakonie für Kinder

Artikel in der Südwest Presse vom 18. August 2017

 

Häusliche Gewalt: Opferschutz durch Hilfe für die Täter

Artikel in der Südwest Presse vom 5. Juli 2017

 
ULM: Die Diakonie will Opfer von häuslicher Gewalt besser schützen und startet deshalb die Arbeit mit den Tätern.
 
Es ist ein Novum in der Region: Die Diakonie nimmt sich der Männer an, die ihre Frauen schlagen, demütigen, beleidigen, vergewaltigen. Eine Anlaufstelle, die mit häuslichen Gewalttätern arbeitet, gibt es bisher nicht. Polizei, Staatsanwaltschaft, Bewährungshilfe, Stadt Ulm und Alb-Donau-Kreis sowie der Verein Frauen helfen Frauen sind froh, dass diese Lücke geschlossen wird. Sie alle kooperieren mit dem Diakonieverband und hoffen, dass das Projekt ein Erfolg wird.
 
„Opferschutz durch Täterarbeit“ heißt es, und damit ist beschrieben, was das Ziel sein soll: das Verhalten der gewalttätigen Männer zu ändern. Zwar sind nicht alle Täter männlich, aber doch die meisten (siehe Info-Kasten). Mario Stahr und Ulrike Domay-Weil, die das Projekt betreuen, haben alle Arten von häuslicher Gewalt im Blick: körperliche, psychische und sexuelle.
 
Am Anfang gibt es Einzelgespräche mit dem Täter. Ein wesentlicher Punkt: „Sie müssen bereit sein, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen“, sagte Stahr bei der Vorstellung des Projekts. „Täterarbeit macht keinen Sinn, wenn der Täter nichts verändern will.“ Stahr und seine Kollegin rechnen auch mit diesem Fall. Männer können sich zwar freiwillig an die Beratungsstelle wenden, häufig werden sie aber dorthin geschickt: vom Staatsanwalt, vom Richter, von Bewährungshelfern. Aufgabe von Stahr und Domay-Weil ist es dann, die
Männer „von der Sinnhaftigkeit der Beratung“ zu überzeugen.
 
Die Klienten müssen zum Start einen Vertrag unterzeichnen und sich etwa verpflichten, regelmäßig teilzunehmen und während der Beratung auf Gewalt zu verzichten – oder, falls ihnen das nicht gelingt, ihreVerstöße wenigstens zu melden.
 
Nach den Einzelgesprächen folgt die Gruppenarbeit: ein halbes Jahr lang wöchentliche Sitzungen. Das sei wichtig, damit sich die Männer gegenseitig mit ihrem Fehlverhalten konfrontieren. Sie sollen lernen, wie sie mit ihren Aggressionen umgehen können, ohne gewalttätig zu werden. „Es geht um Männer- und Frauenbilder, und auch um eigene Gewalterlebnisse“, sagt Stahr. Ziel sei, die Opfer vor häuslicher Gewalt zu schützen, ob in der aktuellen oder einer künftigen Beziehung.
 
Kinder leiden sehr
Dieser Schutz ist auch der Stadt und dem Verein Frauen helfen Frauen besonders wichtig. Kinder leiden sehr darunter, wenn sie miterleben, dass ihr Vater ihre Mutter schlägt, sagt Sozialabteilungsleiter Helmut Hartmann-Schmid: „Das Projekt ist ein wichtiger Baustein der Prävention.“ Das sieht auch Angelika Glaschick von Frauen helfen Frauen so. Der Verein, der die Frauenberatungsstelle und das Frauenhaus trägt, hat über den Runden Tisch zu häuslicher Gewalt schon lange eine Beratung für Täter angeregt. Diesen Wunsch äußerten auch immer wieder betroffene Frauen, sagt Glaschick. „Die Beratung für Täter ist ein wichtiges Signal: Sie müssen Verantwortung übernehmen.“ Opfer, die häusliche Gewalt anzeigen, haben oft schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sie hoffen nicht nur auf die Bestrafung der Täter, sagt Johanna Waibel von der Bewährungshilfe Ulm. „Sie wünschen sich auch, dass sich etwas ändert.“
 
Unterstützt wird das Projekt auch von der Polizei. Das Vorgehen gegen häusliche Gewalt sei „eines der priorisierten Handlungsfelder“ des Ulmer Präsidiums, sagt Michael Kälberer vom Führungs- und Einsatzstab. „Opferschutz durch Täterarbeit“ ist zunächst auf drei Jahre befristet und konnte durch eine Anschubfinanzierung der Fernsehlotterie eingerichtet werden.
 
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